Revitalisierung des Spielplatzes Ziegelteich

 

Endlich ist es soweit, der Ziegelteich wird seit April neubelebt, oder wie es so schön heißt: Revitalisiert. 

Der Ziegelteich existiert schon seit dem Jahr 1918 und hat schon eine wechselvolle Geschichte durchlebt. Entstanden ist der Ziegelteich durch die Stilllegung der Kallmorgischen Ziegelei, die Tongrube füllte sich nachdem die Pumpen abgestellt wurden, mit Wasser. Danach - 1920 - kamen die Siedler der Gartenstadt Langenfelde und machten aus dem Areal eine blühende Landschaft, Siedlungshäuser entstanden, und hunderte von Obstbäumen wurden gepflanzt. Der Ziegelteich wurde zu einem Badesee mit Sandstrand hergerichtet und war im Privatbesitz der Siedler. Nach der Eingemeindung 1927 nach Altona, wurde wieder der Plan laut, aus diesem gerade entstandenen Wohngebiet ein Industriegelände zu machen. Einige Sieder lösten sich von der Gemeinschaft und 1930 kam es zur Zwangsversteigerung des Ziegelteiches, 119 Mitglieder erhielten ihren Anteil, damit hatte sich auch die Siedlungsgemeinschaft aufgelöst. Der See verblieb nun bei sieben Privatleuten. Nur mit seiner Romantik sollte es bald vorüber sein. Die Stadt und auch Privatleute füllten Asche und Abfälle hinein. Dabei wurde die Quelle des damals 37 m tiefen Sees verschüttet, chemische Zersetzungen traten ein und das stinkende Wasser überflutet oft sogar die Kieler Straße. (Einen Teil der Tor- und Frühlingsstraße stehen auf dem See) Nachdem Krieg veranlassten die Engländer den Trümmerschutt aus Eimsbüttel in den See zu schütten. Zum Glück fand die systematische Zerstörung bald ein Ende und von den 50.000 qm blieb noch kläglicher Rest von 10.000 qm zurück. 

Trümmerschutt

Danach fristete der Ziegelteich ein tristes Dasein, nicht geliebt und völlig verdreckt. Im Februar 1987 kam Bewegung in Angelegenheit, der „Stellinger“ berichtete am 11.2.1987 „Noch ist der Ziegelteich nicht verloren“. Im Ortsausschuss wurde berichtet: der Ziegelteich wurde als Rückhaltebecken für den Abfluss des Niederschlagswasser eine ca. 130 ha großen Stadtgebietes angelegt, um dort zu speichern und damit dem Klärwerk Köhlbrandhöft zuleiten zu können. Die Stadtentwässerung sieht keine Möglichkeit, ihr bereits bestehendes Sielnetz so umzuplanen, dass das Niederschlagswasser am Ziegelteich vorbeigeleitet wird. Also doch nicht zu retten??

Am 24.November 1988 befasste sich die Bezirksversammlung mit der Rettung des verschmutzten Ziegelteichs und der Wiederherstellung dieses Grünbereichs als Freizeitfläche. Auf Empfehlung des Ortsausschusses wurde ein umfangreicher Maßnahmekatalog beschlossen. Damit wurden zwar die ersten Veränderungen durchgeführt. Dennoch entwickelten sich See und Grünfläche im Laufe der Zeit einem „Naherholungsgebiet“. Ein beliebtes Ziel für Jogger, Sportler, Radler. Der Spiel- und Grillplatz wurde sehr gut von Familien angenommen. Der Bolzplatz bei Jungen sehr beliebt und gern bespielt. Es gab auch Winter, die den See zufrieren ließen, was nicht häufig vorkam, ich selbst war mit meinen Kindern Anfang der 1980iger Jahren dort Schlittschuhlaufen.

Mittlerweile waren der Platz und die Grünanlagen in die Jahre gekommen, die Spielgeräte abgenutzt, und von dem Grillplatz waren nur noch Fragmente vorhanden. Die Parkbänke sehnten sich nach Erneuerung, Papierkörbe waren eine Seltenheit und so mancher Sturm ließ die Weiden umknicken.

Nun hat der Bezirk fast 100 Spielplätze zu warten und zu pflegen, Reparaturen auszuführen und unsere Grünanlage musste warten. Im Jahr 2017 erhielt die Landschaftsarchitektin Heike Küllmer nach einer Ausschreibung den Zuschlag, die Umgestaltung wurde dann auch noch den Anwohnern im vergangenen Herbst vorgestellt, einige Ideen flossen mit in die Ausführung.

Lageplan

Uferbefestigung

Der gesamt westliche Bereich wird jetzt umgestaltet.  Die Uferbefestigung soll verhindern, dass noch mehr Erdreich abrutscht.  Besonders charmant, eine Sitztreppe mit Bankelementen aus Granitsteinen. Davor im Teich Gräser und Stauden. 

Der Spielplatz unterteilt sich zu einen in ein Kleinkindbereich „Stenja – die Seesternin“ mit Rutsche und Sand- und Wasserrinnen und einem Wackelseeungeheuer. „Sam“ die Hutkrabbe wird ein kleines Häuschen.  Die Kracke „Sempia“ lädt zum Klettern oder Sitzen ein. Für die Größeren ist das „Korallenriff“ vorgesehen, mit Kletterparcours, Stufenheck und Balancierseilen.

Kleinkindbereich - Stenja

Korallenriff

Kletterparcours

Ebenfalls wieder hergestellt wird der Bolzplatz. Selbstverständlich kommen noch zahlreiche Bänke und Papierkörbe hinzu. Einen Grillplatz wird es nicht geben, aber die Besucher sind flexibel und werden ihre eigenen Grillgeräte mitbringen. Hauptsache, die Reste landen in den vorhandenen Papierkörben – bislang konnte man sich nicht beklagen. Eine Mobile Toilette ist ebenfalls nicht vorgesehen, der Bezirk hat nicht die Mittel, um Wartung und Pflege zu finanzieren.  

Der Platz und die Grünanlagen sollen bis Ende September 2019 fertiggestellt sein.  Die Kinder werden sicherlich sehnsüchtig auf dem Tag warten, bis sie endlich wieder „ihren“ Spielplatz und Bolzplatz nutzen können.  Ich kann nur alle StellingerInnen einladen, dieses Kleinod im Herbst zu besuchen, die Ruhe und Beschaulichkeit zu genießen. Es lohnt sich!               IZ

 

Quellennachweis

1) Lageplan Heike Küllmer, Landschaftsarchitektin

2) 3D Visualisierung (Seestern, Korallenriff, Riffparcours) Anke Meixner, Fa. Klettermax