Hugo Haase Vergnügungspark

Hamburger Fremdenblatt, Sonntag 21. Juni 1914,      S. 27 u. 28

Hugo Haase Aktiengesellschaft Hannover-Kleefeld Abteilung: Vergnügungs-Park Stellingen

Unmittelbar an Hagenbecks Tierpark, mit diesem durch eine breite Promenade verbunden, schließt sich der neuerbaute Vergnügungspark der Hugo Haase A.-G., H-H Park genannt, an. Nach den Ideen des bekannten Leiters der Gesellschaft, des Herrn Direk-tor Hugo Haase, im Verein mit berufenen Künstlern haben hier fleißige Hände in wenigen Mona-ten eine Vergnügungsstätte entstehen lassen, die auch über das Niveau des Alltags hinausgehende Ansprüche befriedigen kann. Es war unbedingt ein glücklicher Gedanke, der zu dem Zusammen-schluß der beiden Autoritäten Hagenbeck und Haase führte, denn die Verbindung beider Gelände, der prachtvollen Landschaft des Stellinger Tierparkes und dem Haase'schen Volksparadies mit seinen abenteuerlichen Verkehrs-einrichtungen, bietet auch dem verwöhntesten Besucher gegen ein mäßiges Eintrittsgeld eine Fülle von Darbietungen, die er kaum erwartet.

Eine architektonisch wirkungsvoll, mit Ornamenten und Hoch-reliefs reich geschmückte Pergola bildet den monumentalen Eingang zum H H Park, überwältigend ist der Eindruck, der sich dem Besucher beim Eintritt bietet. Vor sich hat man die gewaltige Wasserrutschbahn, im Hintergrunde die schneebedeckten Berge der Szeneriebahn, die das weite Gelände ab-schließt, zur Rechten das mächtige, langgestreckte Gebäude des Re-staurants „Oberbayern“, das bei einer Länge von 60 m und einer Breite von 26 m über 5000 Personen fassen kann. Auch das Innere dieses kolossalen Baues bietet durch seine terrassenartig übereinander liegenden Galerien und seine abwechslungsreichen Gebirgs-szenerien aus Tirol und Oberbayern ein anheimelndes Bild. Zwei Oberlandler-Kapellen sorgen durch Musik, Gesang und Tanz für man-nigfache Zerstreuung, echtes Münchner, sowie gute bayerische und Hamburger Küche tun das übrige, um den Besucher hier recht lange seßhaft zu halten. Vor dem Restau-rant „Oberbayern“ liegt die Was-serrutschbahn, eine der größten bisher gebauten. Von einem 33 m hoch gelegenen, gleichzeitig den höchsten Punkt des Parkes bilden-den Turm stürzen die Kähne mit reißender Geschwindigkeit in ein geräumiges Wasserbassin, das bei einer Länge von 75 m und einer Breite von 22 m ca. 3200 cbm Wasser faßt, also einen Teich von recht ansehnlicher Größe bildet. Ein bequem angelegter Personenaufzug sorgt für unbeschwerliche Auffahrt.

Nach der prickelnden Fahrt auf der Wasserrutschbahn ladet eine Tiroler Weinstube am Gebirgsteich zu einem Gläschen Rebensaft ein. Auf der andern Seite des Wasserbeckens bietet das Terras-sen-Cafe, ein architektonisch vollendeter, stilgerechter Säulen-bau mit einer Dachterrasse nach amerikanischer Art, einen beson-ders bevorzugten Platz, von wel-chem aus man das Leben und Treiben des Vergnügungsparkes behaglich beschauen kann. Vom Terrassen-Cafe führt eine breite, mit gärtnerischen Anlagen ver-sehene Promenade an einer Riesen-Leuchtfontäne vorbei, die abends ihre bunten Wassermassen im Lichte mächtiger Scheinwerfer spielen läßt. An der rechten Seite dieser Promenade zieht sich eine imposante Gebirgslandschaft hin, die Gebirgsbahn. Eine Alpenszenerie mit grünen Matten und Sennhütten vereinigt sich mit künstlichen Felsformationen und Grottenbildungen; feingeschwun-gene Viadukte wechseln ab mit zierlichen Brücken. Aus dem mächtigen Gestein sprudelt ein Wasserfall und vervollständigt das herrliche Panorama der Gebirgs-landschaft. Über eine Länge von 1500 Meter führt hier die Gebirgs-bahn über Berg und Tal, durch Tunnels und über Brücken. Sechs Personenzüge mit je drei Wagen dienen der Fahrt. Auf die Sicher-heit dieses Wunderwerkes der Technik ist die denkbar größte Sorgfalt verwendet worden. Ähnlich wie bei der Eisenbahn ist ein automatisch wirkender Lichtsig-naldienst eingerichtet, der dem Führer eines jeden Wagens sofort anzeigt, ob die Strecke frei ist. Ein Zurückgleiten der Wagen ist durch die an beiden Seiten der Gleise angebrachten Steckeisen ausgeschlossen.

Wer es bequemer haben will, kann auch eine Seilbahn benutzen. Hoch oben auf dem Felsen, in einer Höhe von ca. 25 m, ist ein Gebirgscafe eingerichtet, das Raum für 500 Personen hat und als das höchstgelegene Cafe Hamburgs zu bezeichnen ist. Von hier aus hat der Besucher eine entzückend schöne Aussicht auf die ganze Hochgebirgsszenerie, über Hagenbecks Tierpark hinweg bis nach Blankenese. Eine Rodelbahn befördert die Besucher wieder zu Tal. Einen besonderen Genuß gewährt auch eine Kahnfahrt auf dem ca. 2500 Fuß langen Grottenbach, der in zahlreichen Wendungen durch elektrisch beleuchtete Tropfsteinhöhlen, groteske Eismeerpanoramen usw. führt. In langsamer, ungefähr 20 Minuten dauernder Fahrt gleiten die Fahrzeuge ohne Ruder und Steuer, vorwärtsbewegt durch das fließende Wasser, in dem schmalen Beton-kanal dahin, vorbei an interessanten, in den Seitenwänden eingelassenen Aquarien und Terrarien. Das Wasser, das die Boote durch die Grotte führt, wird in Bewegung gesetzt durch ein elektrisch betriebenes hölzernes Mühlrad, das in geschickter Weise in den Felsen hineingebaut ist und einen recht malerischen Anblick bietet. Wer die Reise ins Hochgebirge statt auf schwankendem Wagen oder schau-kelndem Kahne im luxuriös ausgestatteten Eisenbahnwagen vorzieht, löst ein Billet für den „Pullman-Express“, um im behaglichen Polster die Fahrt mit dem gleichen Vergnügen zu genießen.

Außer diesen Sehenswürdigkeiten verdienen noch besondere Erwähnung die Wellenbahn, umgeben von einer blumenumrankten Pergola, ein lebender aus Efeuhecken gebildeter Irrgarten sowie die „Lebende Zielscheibe“, eine der letzten originellen Erfindun-gen, die dem passionierten Jäger Gelegenheit gibt, auf Raubtiere aller Art, die im Film erscheinen, zu schießen.

Der Gebirgsbahn gegenüber erhebt sich der monumentale Bau der riesigen ca. 15 000 Personen fassenden Ausstellungshalle. Mit ihren zahlreichen leichtgeschwunge-nen Säulen und Pfeilern bietet die Halle architektonisch ein hübsches Bild. Der Bau selbst ist 110 m lang, 24 m breit und 19 m hoch. Die Halle ist in erster Linie für Ausstellungen aller Art und Massenveranstaltungen vorgesehen und bietet namentlich bei schlechtem Wetter auch einem großen Publikum ausreichenden Schutz.

In einem Meer von Licht erstrahlt der Park am Abend und bietet einen feenhaften Anblick. Sechs ca. 20 Meter hohe Beleuch-tungstürme, in den verschiedenen Teilen des Parkes aufgestellt und mit tausenden kleiner Glühlämpchen besetzt, gewähren in ihrer Lichtverschwendung ein wahrhaft märchenhaftes Bild, dessen Reiz noch erhöht wird durch automatisch wechselnde bunte Lichter, die aus dem Innern des Turmes erstrahlen und den Eindruck erwecken, als ob sich der ganze Turm drehe. Mit gleicher Lichtfülle sind weiter der Eingang, die große Halle und besonders die Kuppel der Wasser-rutschbahn ausgestattet.

Um dem Lichtbedarf des Parkes genügen zu können musste die Gemeinde Stellingen [Zeile fehlt in der Kopie]… gesamte Lichtfülle entspricht rund einer Million Kerzen; sie wirkt, aus der Ferne gesehen, wie ein riesenhafter Stern an der Peripherie Hamburgs.

Durch den H H Park, der was noch kurz erwähnt sei, durch die Firma Hugo Haase A.-G. in eigener Regie erbaut worden ist, hat Hamburg jedenfalls eine einzig dastehende Bereicherung seiner Sehenswürdigkeiten erhalten.

 

Eintritt für bei de Unternehmungen [Haase / Hagenbeck] zusammen:

Erwachsene 50 Pfg.,

Kinder 25 Pfg.

Sonntags vormittags sowie täglich nach 7 Uhr abends:

Erwachsene 30 Pfg.,

Kinder 15 Pfg.

Es wird wiederholt darauf hingewiesen, daß beide Parks bei der Dressurhalle ineinander übergehen, die Besucher also an dieser Stelle freien Durchgang.

Niedersächsische Tageszeitung (NTZ), 01.05.1936 Autor: Archibald [d.i. Günter H.W. Niemeyer] Zeichnungen: Rolf Wilde

Am Rio de la Plata rattern die illuminierten Züge mit jauchzenden Argentiniern durch die Steilkurven der Achterbahn. Auf Nordamerikas größtem Rummelplatz Conney Island dreht sich ein Karussell, dessen Transport einstmals fünfundzwanzig Waggons erforderte. In Kairo, Kolombo, Kalkutta, Melbourne, Paris – überall flammt allabendlich in Tausenden von Glühbirnen der Name Hugo Hasse auf, der in Sidney genauso bekannt ist wie auf dem Hannoverschen Schützenfest oder auf der Dresdener Vogelwiese.

 

Professoren debattieren

Wer war nun eigentlich Hugo Haase? Von Beruf Schlosser! Das erwähnten wir bereits, und nebenbei sei verraten, daß er schon als kleiner Stift aus dem Spinnrad seiner Großmama ein Fahrrad bastelte. In der Lehrer, während der Militärzeit und im späteren Beruf, überall zeichnete sich Hugo Haase durch ungeheuren Fleiß, Tüchtigkeit und beste Zeugnisse aus, so daß eine Maschinenfabrik ihn bald vom Monteur zum Leiter der ganzen Fabrik beförderte. Hugo Haase war damals fünfundzwanzig Jahre, hatte den Kopf voll großartiger Pläne, und da die Fabrik nebenbei auch Karussells in bescheidenen Ausmaßen herstellte, baute hier Hugo Haase zum ersten Male ein fahrbares Dampfkarussell. Schon kurz danach machte er sich selbständig, um nun bahnbrechend und umwälzend die ganze Vergnügungsparkindustrie neu zu gestalten. Als erstes baute er das „Ueberkarussell“, ein elektrisches Stufenkarussell, dessen Betrieb allein 225 Pferdekräfte benötigte und sich im Glanze seiner 3000 Glühbirnen vor dem staunenden Publikum drehte. Man bedenke: das alles zu einer Zeit, als noch die erste elektrische Versuchsbahn von Frankfurt nach Offenbach gondelte. Die Professoren debattierten über dieses phantastische Karussell in den Hörsälen und aus Berlin kamen in Scharen Studenten und Ingenieurvereine um das Wunderding zu bestaunen. Sämtliche Handwerker, außer dem Goldschmied, hatten an dem Bau mitgewirkt, dessen – für unseren Geschmack etwas überladene – Prunkfassade die Amerikaner heute noch auf Conney Island bewundern können.

Zu zweit im „U-Boot-Karussell

Hugo Haase überlegte, erfand und arbeitete. Mehr und mehr verschwanden aus seinem Unternehmen die „Rundgeschäfte“ und die Bahnen triumphierten über die traditionellen Karusselle und Schaukeln. Berg- und Tal, Grotten-, Wellen-, Wasserrutsch-, Gebirgs- und Achtbahnen wurden schnell beliebt und fast Jahr für Jahr stand Hugo Haase wieder mit einer neuen Sensation vor einem begeisterten Publikum. Sei es nun der „Eiserne See“, die „Tunnelbahn“ oder in neuerer Zeit die „Wasser-Scooter“ und „Autobahnen“, immer bringt Haase Neuheiten, die die „Lebensfreude“ erhöhen.

In jedem Sekretariat großer Hannoverscher Firmen stehen Reihen dickbauchiger Ordner. Das ist nichts Besonderes. Aber in der Hohenzollernstraße gibt es Mappen voll von fixen Ideen und tollen Vorschlägen. Ein Sammelsurium von herrlichem Unsinn. Das sind Hugo Haases „Erfinder-Mappen“. Sie mögen es glauben oder nicht: Täglich flattern der geplagten Sekretärin Dutzende von wohlgemeinten Anregungen auf den Schreibtisch. Unter dem Siegel tiefster Verschwiegenheit werden gegen einen kargen Lohn „Erfindungen“ angepriesen, die Jahr um Jahr Bände füllen.

„Fast nichts ist von alledem zu gebrauchen“, erzählen uns die leitenden Direktoren, teils ziert ein schütterer Bart bereits die „neuesten Sensationen“ oder es ist unmöglich, seinen Gästen etwas derartiges zuzumuten.

Aus allen Teilen der Welt kommen die Zuschriften und – Sie werden lachen – überwiegend wird ein U-Boot-Karussell vorgeschlagen. Gondeln in der Art der U-Boote sollen an Stangen in einem Bassin etwa einen Meter unter dem Wasserspiegel kreisen. Zweisitzer natürlich, schlagen alle Erfinder vor. Ach, wie wäre das schööön! Blättern wir weiter. Immer erhalten die Einsender die gleichen Antwortschreiben und in der Anlage gehen dann auch die phantasievollen Zeichnungen oder gar Modellphotos wieder zurück. Doch halt, Hier ist noch ein seltener Vogel!

Große Kugeln will er bauen, um darin die Fahrgäste auf einer Bahn einherzutrudeln.  Ein anderer gedenkt, kleine Fallschirme zu liefern, „mit denen auch der ärmste Volksgenosse von einer hohen Rampe hüpfen kann …“. Und da ist noch ein Brief abgeheftet, dessen Schreiber vorschlägt, vermittels „eines überaus starken Gummiarmes“ das geschätzte Publikum nach der Art des bekannten Teufelsrades an eine gepolsterte Wand zu werden … Da gibt es nur zwei Beweggründe: Entweder ist der Herr nebenberuflich Versicherungsagent für Knochenbrüche oder der „überaus starke Gummiarm“ hat den Ärmsten vielleicht bei vorausgegangenen Modellversuchen zu saftig zwischen die Hörner geschlagen.

So geht das weiter. Fast unter jedem Buchstaben sind Flug- und Raketenbahnen abgelegt. Sogar eine „Kuddl-Muddl-Paddel-Bahn“ (?) und eine „Hochzeitsreise“ werden da als erholend, belustigend, kassenfüllend, sowie „nervenkützelnd“ angeboten.

Wo entstehen nun wirklich alle die Haaseschen Attraktionen, werden Sie fragen. „Bitte, steigen Sie ein in unser Auto und im 80-Kilometer-Tempo werden wir Sie unter den Klängen des eingebauten Autoradios nach Rossla fahren, zur Geburtsstätte der Haaseschen Weltwunder.

In diesem freundlichen Städtchen am Harz scheint ewiger Jahrmarkt zu herrschen. Da ragen die Skelette einer neuen Schlangenbahn in den Frühlingshimmel. Traktoren rattern, Sägen singen. Hier werden die Geister gemalt, Wände mit Rupfen bespannt, und über die Anschlussgleise rollen die Transportwagen mit dem bekannten HH. Sie tragen aus den großen Werkstatthallen heraus in alle Welt das Ergebnis genauester deutscher Präzisionsarbeit: betriebssichere Phantasiebauten, auf denen sich Tausende nach Herzenslust tummeln können.

Luftschiff notlandet in Misburg

Erschrecken Sie nicht! Es war um 1909, als der kleine „Zepp“ in einen Misburger Fabrikhof abstürzte. Vielleicht erinnern Sie sich jetzt. Der Kuriosität halber sei es hier erzählt, daß Hugo Haase auch der erste Privatluftschiffbesitzer Deutschlands war. Er kaufte das halbstarre ‚Ruthenberg-Luft-schiff’ [H. Ruthenberg, deutscher Luftschiffkonstrukteur, der auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin 1909 sein Luftschiff vorstellte und den Zeppelinpreis für das kleinste Luftschiff gewann] und landete damit in einem Birnbaum. Wieder stieg Haase auf, damit die Hamburger ihren „Domvater“ auch einmal in der Luft sehen sollten. Leider hatten die Motoren in den Jahren noch ihre Mucken und statt nach Hamburg jökelte man in Misburg [heute Stadtteil von Hannover] gegen einen Schornstein. Haase kam mit einem blauen Auge davon, und der kühne „Lüftebezwinger“ flog bei der Reparatur in die Luft – und siebenzigtausend Mark waren zum Teufel! Gratulieren, daß verbrannt – behalten nun wenigstens unseren Hugo“ telegraphierten damals gute Freunde und Hugo Hasse lachte mit ihnen.

Haase war aber nicht nur der erste Privatluftschiffer, sondern er führte auch als erster den Wohnwagen ein, den heute jeder Zirkus und jedes größere Schaustellerunternehmen in herrlichster Ausstattung mit sich führt. Speisezimmer, Badezimmer, Balkon, an alles ist gedacht, und selbst die „Gartenlaube“ entsandte damals einen Reporter zum Haaseschen Salonwagen, den er auf die Platte bannte und begeistert darunter schrieb: „Villa auf Rädern!“

Überall in der Welt liefen nun dreißig Haase-Unternehmen und schon vor dem Kriege war es so, daß große Vergnügungsparks , Messen und Ausstellungen an Hugo Haase, Hannover, kabelten und ein Blick auf die Tourneekarte Zeigt, daß auch schon zum kommenden Jahr 1937 wieder für alle Unternehmen von der riesigen Gebirgsbahn mit ihren Landschaftsausstattungen, Bächen, Schiffen, Mühlen und Viadukten, bis zum einfachsten Scooter vertraglich alle Plätze festgelegt sind. So richtete Haase u.a. den noch in der Erinnerung lebenden Vergnügungspark bei Hagenbeck-Stellingen ein mit einem Kostenaufwand von weit über einer Million Mark. Haase baute die Vergnügungsparks zur Weltausstellung in Antwerpen, zur Kolonialausstellung in Paris, zur Industrie- und Handelsausstellung in Lissabon, und so sehen wir ihn weiter in Bergen, Leipzig, Jerusalem und New York.

Hier werden Devisen gemacht

Selbst der Krieg hat den beispiellosen Aufstieg der Hannoverschen Firma nur unterbrechen können, und nach dem Tode Hugo Haases vor drei Jahren [* 29. September 1863 in Allenstein, Ostpreußen; † 7. November 1919 in Berlin] führt seine Frau mit bewährten Mitarbeitern das Unternehmen nach alten Prinzipien weiter.

„Mit welcher Sensation wollen Sie uns nun demnächst wieder überraschen?“, fragen wir. Da lächelt man pfiffig im Kreise und flüstert: „Micky Maus!“

„Wieso Micky Maus?“

„Ja, das ist so, nach dem neuen doppelstöckigen Stromlinienzug in Lübeck haben wir auch einen Zug konstruiert, der ebenfalls ein Höllentempo entwickelt!“

„Sie können doch auf einem Jahrmarkt nicht Leute im 150-Kilometer-Tempo in die Runde jagen!?“

„Nee, nee“, wackelten da im weiten Sesselrund die Köpfe, alles Illusion, alles Illusion. Man steigt ein. Der Zug fährt an, die Landschaft flitzt vorbei, die Bänke ruckeln. – Wie gesagt: Micky Maus! Der neue Stromlinienzug von Hugo Haase!“

Eins, zwei, drei im Sauseschritt, läuft die Zeit und er Haase rennt mit. Bei allem Jux und aller Phantasie wird in diesem Zentralbüro in Hannover sachlich kalkuliert und gearbeitet. Hier weiß man genau, daß der Nordländer sich lieber fahren lässt und man bereits im Rheinland und in Bayern lieber schaukelt und das eigene Temperament zur Geltung bringt. Hier weiß man, warum sich in Kapstadt eine Achtbahn nicht lohnt und heute beugt man sich über genauer Rötelpausen und Zeichnungen, denn der Engländer möchte in zwei Monaten eine Gebirgsbahn eröffnen. Aus Australien liegt eine Bitte um Offerte vor. Ein Vertrag mit der AEG über 20 000 Glühbirnen erweist sich als nicht ausreichend. Gehälter für 700 feste Angestellte werden vorbereitet. Schon die Geschäftsbücher über Eisenbahnfrachten sprechen Bände. Hier wird nach Tausenden gerechnet. Heute in guten englischen Pfundnoten, morgen in mexikanischen Dollars und übermorgen sind es Escudos. Hier werden Devisen gemacht.

Das ist der klingende Lohn der „Lebensfreude“, die ein heller Hannoveraner in Karussells, Bahnen, Schaukeln und Schienen mit Gondeln zerlegte und – Millionen daran verdiente.